Jesus, der soziale Rebell - eine Weihnachtsgeschichte

18. Dezember 2023

Jesus, der soziale Rebell oder die Kraft der Worte, die von Herzen kommen

Ein Text von Heinz Droste

Ungewöhnlich, hoffentlich nicht ungehörig, beginne ich diesen Text mit einem persönlichen Bekenntnis. Ja, ich bekenne mich, ich bin ein Jesusjünger. Unter anderem wegen ihm bin ich Sozialdemokrat geworden. Im Gegensatz zu den sogenannten Jesusjüngern, die nicht die schlechtesten Menschen waren, bin ich allerdings nicht in Jesuslatschen umhergelaufen und habe auch zu meinem Bedauern bisher noch keinen Joint geraucht. Meine Geschichte ist nichts Besonderes, denn unzählige unserer Parteifreunde sind aus dem christlichen Umfeld zu den Sozialdemokraten gestoßen. Oft sind es engagierte Christen in ihren Gemeinden ehe sie zu engagierten Sozialdemokraten werden.

Es lohnt sich, sich mit dem historischen Menschen Jesus zu beschäftigen, Mit dem Jesus, der nach gängiger Erkenntnis ca. 5 bis 6 Jahre vor dem Jahre 0 im nördlichen Teil Israels, im sogenannten Galiläa, geboren wurde und am 7. oder 8. April, 30 oder 33 Jahre danach von den Römern hingerichtet wurde. Die christlichen Kirchen berufen sich auf diesen Menschen, gründen ihre Kirchen auf ihn. Jesus „predigte“, sprich sagte einiges zu seinen Zeitgenossen. Ene Kirche zu gründen geschweige denn eine Sekte zu gründen war nicht seine Absicht. Darüber sind sich selbst die kirchentreuesten Vertreter einig. Die Grundlagen der christlichen Kirchen wie wir sie heute kennen entwickelten sich in den drei Jahrhunderten nach Jesus. Außer den Jahresdaten seiner Geburt, seines Sterbedatums bzw. seiner Hinrichtung durch die Römer und seiner Wirkstätte in Galiläa im Norden des heutigen Israels sind uns keine weiteren historischen Fakten bekannt. Wir wissen aber in was für eine Welt er hineingeboren wurde und er lebte. Daraus und aus den biblischen Schriften können wir mit sehr großer Wahrscheinlichkeit rekonstruieren was für ein Mensch er war, warum er wohl von den Römern hingerichtet wurde und wofür er in seinen Reden einstand.

Die jüdische Religion gründet auf zwei Säulen, nämlich auf dem Ein-Gott- Glauben, dem sogenannten Monotheismus und dem Glauben, dass dieser Gott jeden Menschen gleich liebt und will, dass Gerechtigkeit im Umgang der Menschen untereinander herrscht. Gott hat den Menschen Gebote gegeben, ihnen strengstens aufgegeben, eine soziale, gerechte Ordnung einzuhalten. Die jüdischen Propheten haben ihren Zeitgenossen gepredigt „wo Pater den Most holt“, sprich, haben ihnen sogar mit den härtesten Strafen Gottes gedroht, wenn sie sich nicht an die Gebote hielten. Mögliche Strafandrohungen waren Kriegsdrohungen, Hungersnöte, Mord und Totschlag im Lande. Jesus lebte inmitten dieser jüdischen Mitmenschen, die ihre Religion leben durften, auch mit der römischen Besatzung, so lange sie die römische staatliche Herrschaft nicht in Frage stellten.

Es braucht nicht viel Phantasie, nur ein historisches Einfühlungsvermögen in diese jüdische Welt um den historischen Jesus predigen zu hören, seinen Mitmenschen die Leviten lesen zu hören. Zu hören, wie er die soziale Unordnung anprangerte, dass Kaufleute ihre Wechselstuben in der Synagoge aubauten, dort wo die Gesetzestafeln aufgebaut waren, die heiligen Gesetze. Zu hören, wie er predigte, dass ein Kamel leichter durch ein Nadelöhr gehen könnte als ein Reicher ins Himmelreich eingehe. Dass trotz Zinsverbotes horrende Zinsen von den armen Kreditnehmern genommen würden, dass das Gebot des Schuldenerlasses im 7. Jahr der Schuldenlaufzeit nicht befolgt werde. Dass das Gebot, von den zu erntenden Feldern einen Teil für die Armen stehen zu lassen nicht eingehalten wurde. Dass es überhaupt Arme gebe, obwohl Gott wolle, dass es keine Armen geben dürfe. So einen Rebellen duldet kein Establishment der Welt, zumal ein solcher Rebell das sogenannte Establishment daran erinnert, dass sie durch ihr Tun die Grundfesten ihres Glaubens, ihres Staates mit Füßen träten. Zu der damaligen Zeit genügte es, solch einen Rebellen bei der Besatzungsmacht anzuzeigen und ihn zu bezichtigen, ihre Macht durch Aufruhr und Aufstände in Frage zu stellen. Darauf stand Kreuzigungshinrichtung, dies ist bzw. war auch das Ende vom Wirken des historischen Jesus. Eines Menschen, der seiner Überzeugung, seines Glaubens bis zum bittersten Ende treu geblieben ist und der durch sein Tun die nachfolgenden Menschen so beeindruckt hat, dass sie auf ihn ihre und unsere heutigen christlichen Kirchen gründeten.

Die christlichen Kirchen universalisierten sozusagen den regionalen jüdischen Glauben, die jüdischen Gesetze und machten das Gebot der Nächstenliebe zu einem universalen Gesetz, das nicht nur für die Juden gelten soll. Du sollst Gott den Herrn lieben aus vollem Herzen und mit ganzer Hand und Du sollst auch alle seine Geschöpfe, alle Menschen lieben wie Dich selbst und somit seine Gesetze achten. Unser Parteifreund und Historiker Heinrich August Winkler hat in seinem großen Werk „Die Geschichte des Westens“ geschrieben, dass sich aus diesem universellen Gleicheitsgrundgesetz aller Menschen vor Gott im Laufe der Zeit die Gleichheit der Menschen vor den weltlichen Gesetzen entwickelt habe und damit also auch die allgemeinen Menschen- und Bürgerrechte.

Zu den edelsten Aufgaben für uns Menschen von heute, so können wir zusammen mit Heinrich August Winkler schließen, sollen wir das Erbe von Jesus dem Rebellen zu Ende führen. Indem wir dafür arbeiten, manchmal sogar zusammen dafür kämpfen, allen Menschen ihre ihnen zustehenden Menschen- und Bürgerrechte auf unserer Mutter Erde zukommen zu lassen. Zum Beispiel indem wir hier in Europa für ein vereinigtes Europa einstehen, das dann in der Lage ist, allen anderen Europäern und allen anderen Menschen Mut und Kraft und Mittel gibt, ebenfalls ihre ihnen zustehenden Rechte einfordern zu können. Das wäre ein Weihnachtsgeschenk für alle.

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