Geschichte

Sie ist der Stolz der SPD - Die Fahne vom Juni 1983

In ihrer mehr als 120-jährigen Geschichte hat die weiß-blaue SPD die Entwicklung Bayerns zum modernen und demokratischen Freistaat wesentlich geprägt. Vieles, was uns heute selbstverständlich erscheint, wurde unter maßgeblicher Mitwirkung von SozialdemokratInnen errungen: Demokratische Mitbestimmungsrechte, das Frauenwahlrecht, menschliche Arbeitsbedingungen oder auch der freie Zugang zu Bayerns Naturschönheiten. In Schicksalsstunden der bayerischen Geschichte trug die SPD Regierungsverantwortung und kämpfte um Demokratie und Freiheit.

Wir, die SPD Lechhausen, sind Teil dieser Geschichte, an der wir Sie gerne teilhaben lassen.

Unser leider sehr früh verstorbenes Mitglied Wolfgang Stenzenberger hat die Geschichte der Lechhauser SPD von 1871 - 1991 zum 120-jährigen Jubiläum zusammengestellt. Hier Auszüge davon:

Von der Gründung bis zu den Sozialistengesetzen (1871 – 1878)

Das Dorf Lechhausen, das verwaltungsmäßig dem Königlich-Bayrischen Bezirksamt in Friedberg unterstand, erlebte seit Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Zuzug von Arbeitern, die auf der anderen Seite des Lechs in Augsburger Metall- und Textilfabriken beschäftigt waren, eine Bevölkerungsexplosion. Bereits 1875 war Lechhausen mit 6700 Einwohnern das größte Dorf Bayerns. Der Gemeindemagistrat war erzkonservativ und stand immer auf der Seite der Bauern und der Gewerbetreibenden, sorgte sich aber nur wenig um die Probleme der Arbeiter, die inzwischen die Mehrheit der Bevölkerung stellten. Am 27. August 1871 wurde von den Genossen Karl Irlinger, Ludwig Jörg, Jakob Blum, Johann Braun, Albert Lichtensteiger und Valentin Fink in Lechhausen der „Arbeiterverein Vorwärts“ auf sozialdemokratischer Grundlage gegründet.

1. Vorwärts-Ausgabe
Auszug aus der 1. "Vorwärts"-Ausgabe vom 01.10.1867

Am Ende des Jahres hatte der Verein bereits 75 Mitglieder. Seine Hauptaufgabe sah der Arbeiterverein in der Mitwirkung am Kampf um die wirtschaftliche und soziale Sicherheit und die gesellschaftliche Eingliederung der arbeitenden Bevölkerung. Der Arbeiterverein hielt monatliche Mitgliederversammlungen und zweimal im Jahr öffentliche Volksversammlungen ab. Großer Wert wurde auf gesellige Zusammenkünfte gelegt, so gab es jedes Jahr ein Sommerfest, eine Weihnachtsfeier und im Fasching einen Tanzabend. Aktive Genossen des Arbeitervereins gründeten 1874 den Arbeiter-Sängerbund und in den Jahren 1875 bis 1878 gewerkschaftliche Zusammenschlüsse von Metallarbeitern auf Lechhauser Ebene. Letztere wurden nach ihrem baldigen Verbot als Krankenunterstützungsverein weitergeführt. Um einem Verbot zuvorzukommen und das Vereinseigentum zu retten, löste sich der „Arbeiterverein Vorwärts“ im Jahre 1878 selbst auf.

Die Zeit bis zur Eingliederung in die Augsburger SPD (1879 – 1913)

Während der Zeit der Sozialistengesetz (ab 1878) gibt es viele Hinweise, dass geheime Zusammenkünfte im „Frühlingsgarten“ und im „Roten Hahn“ stattgefunden haben und immer wieder versucht wurde, über Lechhausen sozialdemokratische Schriften in Umlauf zu bringen. Es existieren viele Polizeiprotokolle über Hausdurchsuchungen.

Der Name, der in diesen Protokollen am häufigsten auftaucht, ist Albert Lichtensteiger, Gründungsmitglied und seit 1873 Vorsitzender des „Arbeitervereins Vorwärts“. Im Oktober 1881 wurde Lichtensteiger beim „Hochverratsprozess“ in Leipzig gegen Viktor Dave und Genossen zu 1 ½ Jahren Zuchthaus verurteilt. Im April 1883 kehrte er nach Lechhausen zurück und hat sofort Kontakt zu seinen alten Genossen aufgenommen und Untergrundarbeit geleistet.

Am 9. August 1884 stand in der in New York erscheinenden deutschsprachigen Zeitung „Freiheit“ folgender Artikel: „Genosse Lichtensteiger (Lechhausen), den die langjährige Zuchthausmarter, die er anlässlich des berüchtigten Hochverratsprozesses von 1881 auszuhalten hatte, ist der Hilfe der Genossen dringend bedürftig. Unsere materiellen Opfer sind nichts im Vergleich mit der Hingabe solcher Männer, wie Lichtensteiger ist.“

1887 starb Albert Lichtensteiger im Alter von 39 Jahren. Am 23. März wurde er unter sehr großer Anteilnahme der Bevölkerung in Lechhausen beerdigt. Augsburger Genossen legten unter Polizeiaufsicht Kränze nieder.

Nach der Wiedergründung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands im Jahre 1890 entstand auch in Lechhausen ein „Verein für volkstümliche Wahlen“, der, wie im ganzen Reich, Wahlkreis abdeckende Agitation betrieb und die Partei in der Öffentlichkeit repräsentierte.

Am 29. April 1890 fand im „Grünen Kranz“ die erste Versammlung des Wahlvereins statt. Als Referent war an diesem Tag der Genosse Grillenberger aus Nürnberg angereist.

Vereinslokal Eisernes Kreuz um 1900
Vereinslokal Eisernes Kreuz um 1900 - Parteilokal bis 1944